"Engen, Tengen, Blumenfeld - sind die schönsten Städt'der Welt!"

Als der badische Staatspräsident am 12. Mai 1952 dem Bürgermeister von Tengen die Urkunde überreichen ließ, wonach der Gemeinde die Stadtrechte erneut verliehen wurden, stimmte jenes geflügelte Verslein auch wörtlich wieder; aus der Landgemeinde wurde eine Stadt, was sie seit dem Mittelalter gewesen ist. Nach der Gemeindereform im Jahre 1975 kann Tengen auf drei Stadtrechte zurückblicken: Tengen-Hinterburg und Tengen-Stadt oder, wie es im Mittelalter hieß, "das hinder stettlin und das vorder stettlin" sowie die Stadt Blumenfeld.
Das fast 62 qkm umfassende Stadtgebiet von Tengen wird seit der Gemeindereform von zwei ehemaligen Stadt- und sieben Dorfgemarkungen gebildet. Ein großer Teil der Fläche zählt zur HegauAlb. Diese ist geprägt durch eine wellige und hügelige Hochflächenlandschaft, die von mehreren, dem Hegaubecken zustrebenden Bachläufen kerbtalartig zerschnitten wird. Im Nordwesten des Stadtgebiets verläuft die europäische Hauptwasserscheide Donau/Rhein. Verschiedene Landschafts- und Naturschutzgebiete sind in diese große Gemarkung eingebettet.
Die dünn besiedelte Landschaft mit rd. 4600 Einwohnern ist die westlichste Gemeinde im Landkreis Konstanz. Große Teile der Gemarkungsgrenze sind gleichzeitig Bundesgrenze zur Schweiz. Am westlichen und nordwestlichen Teil der Gemarkung beginnt der Schwarzwald-Baar-Kreis bzw. der Landkreis Tuttlingen. Bedingt durch diese Grenzlage wie auch durch eine schlechte Verkehrserschließung in den vergangenen Jahrhunderten, konnten die Stadt Tengen und die Stadt Blumenfeld keine großen Vorteile aus ihren Rechten ziehen. Die Gemeindereform der 70er Jahre brachte in diesem Gebiet ebenfalls einige Kuriositäten mit sich. In die Stadt Tengen ließen sich auf 1 . Januar 1971 freiwillig die Gemeinden Uttenhofen und Talheim eingemeinden. Auf 1.1.1973 folgte dann die Stadt Blumenfeld. Die Gemeinde Watterdingen hat im Zuge der freiwilligen Gemeindereform auf 1.1.1972 die Gemeinde Weil eingemeindet. Auf den gleichen Zeitpunkt ließ sich Beuren a. R. nach Büßlingen eingemeinden. Beim Abschluß der gesetzlichen Gemeindereform mußte deshalb über die Zukunft der Stadt Tengen und der Gemeinden Büßlingen, Watterdingen und Wiechs a. R. beraten werden. Im abschließenden Gesetz wurden die Stadt und diese drei Gemeinden zur neuen Stadt Tengen auf 1, 1.1975 vereinigt. Die Ortschaftsverfassung blieb in den eingemeindeten Orten erhalten. Der Kernort Tengen erhielt zusammen mit Talheim und Uttenhofen ebenfalls eine Ortschaftsverfassung, allerdings ohne örtliche Verwaltung, die durch Beschlüsse des Ortschaftsrates und des Gemeinderates auf 1.9.1994 aufgehoben wurde. Im Gemeinderat der Stadt sind 18 Stadträte und 6 ehrenamtliche Ortsvorsteher vertreten.

 Geschichte

Vorgeschichtliche Reste wurden an verschiedenen Stellen der Gemarkung ermittelt. Die Gemarkung des Kernorts setzt sich aus dem
Gebiet der drei ehemaligen Gemeinden Tengen-Hinterburg, Tengen-Stadt und Tengen-Dorf zusammen. Die Abgrenzung zu den Nachbargemeinden war im Laufe verschiedener Auseinandersetzungen, meist um Weiderechte, erfolgt.
Dorf und Stadt wurden 1818 zu einer Gesamtgemeinde zusam mengeschlossen, der die Stadt als Nebengemeinde angehörte. Zum 12.4.1876 wurde ihr Tengen-Hinterburg angegliedert.
Von den drei Ortsteilen ist Tengen-Dorf der älteste. Ob die Nennung von 877/78 alsTeingon auf das Dorf zutrifft, ist allerdings fraglich. Der Ortsnamen erscheint erst 1080 im Namen der Herren von Tengen wieder. Da diese ihre Herrschaft auf dem Randen, wenn nicht ganz, so jedenfalls zum größten Teil ererbt hatten, so ist auch ungewiß, ob Tengen von Beginn an der Ortsname gewesen ist. Ebensogut könnte eine Namensübertragung vorliegen. Der wohl alte Ort, vielleicht ein ingen-Dorf, ist aus einer Kehlhofsiedlung hervorgegangen. Zu dem Ort kam, vielleicht in frühmittelalterlicher Zeit, eine Burganlage auf dem Wannenberg, von der nichts erhalten ist, auf die jedoch der Flurname "Burghalde" hinweist.
Die eigentliche Burg entstand in klassischer Spornlage wohl um die Mitte des 12. Jhs. Urkundlich läßt diese sich allerdings erst 1249 nachweisen, zusammen mit der nahegelegenen Steingrube. Von fast allen seither die Gegend betreffenden Kriegshandlungen wurde sie in Mitleidenschaft gezogen, so im Städtekrieg von 1441 und im Schweizer Krieg von 1499. Im Dezember 1519 brannte die Burg ab; sie wurde seither nicht mehr bewohnt und dem Verfall preisgegeben.
Die Burg lag auf dem Mittelteil des langgestreckten, schmalen Felsens, der sich 360 m in Nord-Süd-Richtung, bei einer Breite von 60 m im Norden und 90 m im Süden, erstreckt. Der Zugang erfolgte allein über die im Norden vorgelagerte Stadt. Im Süden schließt sich an die Burg die ehemalige Hinterstadt an. Die zwischen den beiden Städten gelegene Burgstelle umfaßt ein Rechteck, das durch Gräben vor der vorderen Stadt und der Burg gesichert war. Ihr einziger Rest, ein Wahrzeichen der Stadt Tengen, ist der quadratische Burgturm, der heute noch eine Höhe von 32 m aufweist. Die im Norden vorgelagerte vordere Stadt ist eine im 13. Jh. planmäßig angelegte, spätmittelalterliche Siedlung mit Straßenmarkt. Die Stadt ist noch weitgehend von der 1,04 m starken Mauer umgeben, die heute die Rückwand der Häuser bildet. Von den drei ursprünglich vorhandenen Toren blieb das 1976 renovierte obere Tor im Norden erhalten. Ebenfalls in das 13. Jh. geht die Gründung der hinteren Stadt Tengen zurück, die aus einer Burgmannensiedlung entstanden ist. Wegen der beengten Lage sowie der seit etwa 1300 ungünstigen politischen Verhältnisse konnte die Siedlung kaum expandieren. Die Grenze zwischen der vorderen und hinteren Stadt war in einem Vertrag von 1511 festgelegt worden, die beide Städte trennende Mauer bestand noch 1785. Die Hinterstadt wurde im Städtekrieg 1442 vernichtet, die vordere Stadt 1455 im Verlaufe eines Rachefeldzuges durch die Eidgenossen verwüstet. Seit der Anlage der Burg und der beiden Städte im 12./13. Jh. hat bis zum Beginn des 19. Jhs. so gut wie keine Ortserweiterung mehr stattgefunden. Das Dorf vergrößerte sich dann allerdings beachtlich.

 Herrschaft und Hoheitsrechte

Bis um 1300 hatte sich ganz Tengen im Besitz der Herren von Tengen befunden. Sie waren eine edelfreie, sehr vornehme Familie, zu deren Vorfahren Angehörige der sog. Rheinauer Stifterfamilie gehört haben müssen. Ihr Besitz war zudem so verzahnt mit dem der Klettgaugrafen, daß auch hier ein enges Verwandtschaftsverhältnis anzunehmen ist. Als Wappen führten sie das nach rechts springende Einhorn. Ihr Begräbnis hatten sie lange Zeit im Kloster Wettingen, einer Stiftung der Grafen von Kyburg, zu denen eine enge Beziehung bestand. Ihr Stammsitz war in der Umgebung von Eglisau, wo sie den wichtigen Zoll bewachten. Zum weiteren Besitz gehörte die Herrschaft Glattfelden mit Zubehör im heutigen Kanton Schaffhausen, an die sich im Süden weitere Güter und Rechte bis zum Zürichsee hin (Küsnacht) anschlossen. Offenbar durch eine oder mehrere Erbschaften gelangten die Herren von Tengen im 12. Jh. in den Besitz der zur späteren Herrschaft Tengen gehörigen Orte. Dabei bleibt unklar, ob sie sich erst nach dem Erwerb von Tengen nach diesem Ort genannt oder ob sie den Namen bereits mitgebracht haben. Besitz bei Hohentengen könnten solche Gedanken nahelegen.
Mitte des 13. Jahrhunderts scheint sich die Familie auf einem vorläufigen Höhepunkt ihrer Macht befunden zu haben. Das Erstarken der Eidgenossenschaft scheint die Familie veranlaßt zu haben, ihren Hauptsitz zu verlegen. Verschiedene Besitzungen mu ßten veräußert werden. 1465 waren die Grafen von Tengen genötigt, die Landgrafschaft Nellenburg an das Haus Österreich zu veräußern. Den Grafentitel führten sie jedoch weiter und übertrugen ihn auch auf ihre Restherrschaft Tengen, in der sie, etwas beengt und bald nach 1500 auch sehr verschuldet, seither lebten. Die ständige Geldnot, verstärkt durch den Schloßbrand von 1519, führte dann 1522 zum Verkauf der Herrschaft Tengen. Der Käufer Österreich verpfändete die vordere Herrschaft Tengen 1651 an die Freiherren von Rost, 1663 an die Fürsten von Auersperg. Die"gefürstete Grafschaft Tengen" fiel 1806 an Baden, das 1811 auch noch die Auerspergischen Eigentumsrechte erwarb.
Die hintere Herrschaft Tengen gelangte über mehrere Zwischenbesitzer 1488 an die Deutschordenskommende Mainau und 1806 ebenfalls an Baden.

 Gemeinderechte

Den Bürgern im Städtlein Tengen-Hinterburg verlieh König Rudolf von Habsburg 1291 das Marktrecht und die Freiheiten von Diessenhofen. Einzelheiten des städtischen Lebens und besonders der Verwaltung sind nicht bekannt. Allerdings führte die Stadt ein eigenes Siegel, das zwischen 1433 und 1482 mehrfach belegt ist und den nach links gewandten habsburgischen Löwen mit einem Ring zeigte. Stadt-und Marktrecht wurden wohl nicht kontinuierlich wahrgenommen; die Freiheit von Leibeigenschaft und Fronen blieb den Einwohnern jedoch erhalten. Auch das Prädikat Stadt behielt die Siedlung Tengen-Hinterburg.

 Stadt Tengen

(ehemalige Städte Tengen, Tengen-Hinterburg und Gemeinde Tengen-Dorf)
Nachdem ihr die Bezeichnung Stadt durch die Gemeindeordnung von 1935 entzogen worden war, konnte sie den Titel 1952 wieder erhalten.
Die im Gegensatz zur Stadt Hinterburg "Vordere StadV genannte Anlage besaß keinerlei überliefertes Stadtrecht. Auch über ein eigenes Siegel scheinen die Bürger nicht verfügt zu haben.

 Tengen heute

Wie die Geschichte aufzeigt, haben die verliehenen Stadt- und Marktrechte an die Städte zu keiner der damit verbundenen Erwartungen eines Aufschwungs geführt. Nach wie vor hat die Landwirtschaft einen dominierenden Faktor in diesem Gebiet. Die Zahl der Betriebe reduzierte sich aber in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark. Die Flurbereinigungen wurden auf allen neun Gemarkungen der Stadt zwischen 1962 und 1979 durchgeführt. Größere Industrie- und Gewerbeansiedlungen blieben in den Nachkriegsjahren leidererfolglos. Ein FilialbetriebderWäschefabrikSchiesser in Tengen mit 140 Beschäftigten (Arbeitsplätze auf 1.7.1993 nach Engen verlagert - Fil. Tengen wurde geschlossen) war und ein Zweigwerk der Motorsägenfabrik Stihl in Tengen-Wiechs a. R. mit 70 Arbeitsplätzen sind der größte Arbeitgeber in dieser Raumschaft.
Die Zielvorstellungen für die künftige Entwicklung Tengens haben Eingang gefunden in dem Flächennutzungsplan der Stadt. Es wird angestrebt, die Stadt zu einem vollwertigen Kleinzentrum auszubauen, das die Grundversorgung der Bevölkerung mit Dienstleistungen wahrnimmt. Hinsichtlich der Siedlungsentwicklung soll die Kernstadt Schwerpunkt für Wohnstätten sein. Das Hauptgewicht der Siedlungsentwicklung ist die örtliche Strukturverbesserung und die Dorfsanierung. Der Charakter der Ortschaften soll dabei voll erhalten bleiben.
Wesentliche Voraussetzungen für diese Weiterentwicklung war die 1967 fertiggestellte Wasserversorgung des Zweckverbands "Hoher Randen". Über 400 m mu ß das Trinkwasser gefördert werden. Über die neun Ortschaften hinaus werden noch Kommingen und Nordhalden, die heute zu der Stadt Blumberg gehören, sowie Weiterdingen, heute zu Hilzingen gehörend, versorgt. Seit 1980 liefert der Zweckverband auch Trinkwasser an die Schweizer Nachbargemeinde Altdorf.
Zu einer äußerst schwierigen Aufgabe hat sich der Bau der Abwasserreinigung gestaltet. Bedingt durch die dünne Besiedlung, erfordert der Bau dieser Einrichtung einen Kostenaufwand von 17 Millionen DM. Die finanzielle Situation der Stadt läßt den Bau dieser Einrichtung aus eigener Kraft nicht zu. Die Steuereinnahmen sind zwar zwischen 1974 und 1980 von 0,96 Mill auf 1,8 Mill. gestiegen, der Anteil der Gewerbesteuer am Gesamtsteueraufkommen war 1980 jedoch 32,7 % niedriger als 1974. Vom Land Baden-Württemberg wurde der Bau der Sammelkläranlage"Oberes Bibertal" deshalb erheblich gefördert. Angeschlossen wurden alle Ortschaften. In langen Zuleitungssammlern wird das Abwasser bis an die Bundesgrenze geleitet. Vier Schweizer Nachbargemeinden - Altdorf, Bibern, Hofen und Opfertshofen - bauten dann auf Schweizer Hoheitsgebiet gemeinsam benutzte Kanäle bis zur Bundesgrenze, zur deutschen Gemeinde Hilzingen-Schlatt a. R. Dort, wieder auf deutschem Hoheitsgebiet, allerdings auf der Gemarkung der Nachbargemeinde hat die Stadt einen weiteren Zuleitungssammler und die Sammelkläranlage errichtet. Die Zufahrt zu dieser Einrichtung erfolgt ausschließlich über Schweizer Hoheitsgebiet. 1986 hat die Anlage ihren Betrieb aufgenommen.
Parallel zu diesen wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen erfolgte der Ausbau der überregionalen und regionalen Straßen. Damit konnte die Raumschaft Tengen in den vergangenen 15 Jahren den Anschluß an andere Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg finden.
Die öffentlichen Nahverkehrslinien bedienen alle Ortschaften.
Eine weitere Einrichtung ist der seit 1876 bestehende Zweckverband Krankenhaus und Altersheim. Der Besitz des Schlosses Blumenfeld hat aber in den vergangenen Jahrzehnten viele Sorgen mit sich gebracht. Aufgrund von feuerpolizeilichen Auflagen mu ßte 1967 das als Altersheim genutzte Schloß zwangsgeräumt werden. Seitdem stand dieses Gebäude leer und war dem Zerfall preisgegeben, bis sich 1976 die Bürger zu einer Rettungsaktion zusammenfanden. In drei Jahren mit über 5000 freiwilligen Arbeitsstunden wurde das historische Baudenkmal vor dem Zerfall bewahrt, Zwischenzeitlich konnten in einem ersten Sanierungsabschnitt 42 neue Altenheimpflegeplätze geschaffen werden. Das Schloß selbst wurde insgesamt außen renoviert. Das 237 Betten fassende Alten- und Altenpflegeheim ist seit Jahren voll belegt. Das Krankenhaus wurde auf 30.06.1989 in ein Schwerstpflegeheim umgewandelt. Es entstand ein Neubau mit 46 Betten, der im September 1991 bezogen werden konnte. Der Zweckverband betreibt auch eine landwirtschaftliche Hoffläche mit über40 ha Land. Der Zweckverband Pflegeheime Schloß Blumenfeld ist mit 130Arbeitsplätzen z. Zt. der g rö ßte Arbeitgeber.
Ein reges Vereinsleben in allen Ortschaften bringt in den Jahresablauf sehr viel an Unterhaltsamkeit. Viele Dorffeste bringen zahlreiche Besucher in die liebenswerte, schöne Landschaft. Eine dominierende Stellung nimmt der seit 1291 abgehaltene SchätzeleMarkt ein. Prominente Redner aus der Bundes- und Landespolitik, aber auch aus der Schweiz und aus Österreich finden sich alljährlich zu einer Mittelstandskundgebung am Samstagnachmittag (15.00 Uhr, Festzelt) ein. So waren beispielsweise Umweltminister Klaus Töpfer, Bundesernäührungsminister Ignaz Kiechle, Ministerpräsident Lothar Späth oder der Schweizer Nationalratspräsident Ulrich Brem in Tengen anwesend. Eine Autoausstellung (über 160 Neufahrzeuge), eine großflächige Landmaschinenausstellung, Handel- und Gewerbeausstellung, Kunstausstellung und über 140 Marktstände machen attraktive Angebote. Auf dem großen Volksfestplatz finden die Besucher an vier Tagen Tanz- und Unterhaltungsmusik in dem 2000 Personen fassenden Festzelt. Einen ganz erheblichen Anteil an den über 100 000 Besuchern hat der größte Vergnügungspark in der Region Hochrhein-Bodensee, der seit 1978 alljährlich am Schätzele-Markt aufgebaut wird.
Neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen läuft parallel die Stärkung des Fremdenverkehrs in der zentral zwischen dem Schwarzwald, den Alpen und dem Bodensee gelegenen Landschaft. Anziehungspunkte sind die mittelalterlichen Stadtanlagen von Tengen und Blumenfeld, aber auch der 1978 freigelegte zweitgrößte römische Gutshof in Baden-Württemberg und Bayern. Wanderwege mit besonderen Reizen, wie z. B. die Mühlbachschlucht mit Wasserfällen, Mühlenruine und laufendem Mühlrad, laden den Wanderer ein. Zahlreiche Grill- und Schutzhütten bieten ideale Rast- und Ruhemöglichkeiten. Sportstätten, Fußballplätze, ein Stadion in Tengen sowie ein Badesee in Tengen bieten der Bevölkerung wie auch den Urlaubern zahlreiche Möglichkeiten für den Freizeitsport. Tennisanlagen im Freizeitgebiet Espel ergänzen dies. Im Winter gibt es an der Lochhütte einen Schlepplift und Langlaufloipen.
Eine wachsende Einwohnerzahl und steigende Fremdenübernachtungen zeigen die heutige Beliebtheit von Tengen mit seinen neun Ortschaften auf.

 Beuren am Ried

Die erste urkundliche Erwähnung von Beuren a. R. steht in einer Urkunde aus dem Jahr 965.
Das Dorf war viele Jahrzehnte Endstation der "Randenbahn", die von Singen bis nach Beuren-Bü ßlingen führte. Die Struktur dieser Ortschaft ist durch die Landwirtschaft geprägt. Nach dem zweiten Weltkrieg trat dann die Entwicklung zu einer Wohngemeinde ein. Im Gewann "Staudenäcker" wurde 1977 ein Baugebiet erschlossen. Die Wohnbebauung wird ergänzt durch eine große Zahl von örtlichen, kommunalen Einrichtungen.
1958 konnte die Kirche am Ortsausgang in Richtung Büßlingen eingeweiht werden. In deren Nähe wurde 1963 ein neuer Friedhof gebaut. Die Kinder erhielten erstmals 1967 ihren Unterricht in der neugebauten Schule mit Gymnastiksaal. Das Gebäude wird nach wie vor von der Schule wie auch von den Vereinen genutzt.
1949 erfolgte der Kauf eines Wohnhauses, das zum Rathaus umgebaut wurde.
Nach Stillegung der Randenbahn wurde das ehemalige Bahnhofsgelände von verschiedenen Betrieben für ihre gewerbliche Tätigkeit übernommen.

 Blumenfeld

Blumenfeld wurde zum ersten Mal im Jahr 1100 urkundlich erwähnt mit der Nennung "Blumenegg". Bereits lange vor der Entstehung der Stadt haben sich auf der Gemarkung Menschen niedergelassen. So wurden in den Gewannen"Einfang" und "Hintere Breiten" jungsteinzeitliche Siedlungsreste und im Waldgewann "Langholz" 15 hallstattzeitliche Grabhügel gefunden.
Die Stadt Blumenfeld ging aus einer mittelalterlichen Burganlage hervor. Als Zeitpunkt der Stadterhebung werden allgemein die Jahre um 1275 angenommen. Die Stadtgründung geht wohl auf die damals hier ansässigen Herren von Blumberg zurück. Die Stadt warTeil einerkleinen Herrschaft, zu deraußer Blumenfeld noch die Dörfer Beuren am Ried, Epfenhofen, Leipferdingen, Watterdingen und Weil zählten und die seit 1488 der Deutschordenskommende Mainau gehörte.
Hinsichtlich der Landeshoheit unterstanden Stadt und Amt Blumenfeld bis 1805 der seit 1465 österreichischen Landgrafschaft Nellenburg. Von dieser hatte allerdings der Deutschorden die Hohe Gerichtsbarkeit und den Blutbann sowie die Forst- und Jagdhoheit als Pfand inne.
Mit der Deutschordenskommende Mainau kamen Blumenfeld und Tengen-Hinterburg 1806 an das Großherzogtum Baden. Blumenfeld blieb aber noch rund 50 Jahre lang, bis 1857, eine badische Amtsstadt mit einem verhältnismäßig großen Amtsbezirk. 1857 wurde der Amtsbezirk Blumenfeld aufgehoben, die Gemeindenwurden dem Amtsbezirk Engen zugeteilt. Nach Engen kam ebenfalls 1864 das Amtsgericht Blumenfeld.
Das Marktrecht war der Stadt im Jahre 1449 durch Kaiser Friedrich 111. verliehen worden. Blumenfeld hatte das Recht, am Montag nach St. Michael einen Jahrmarkt abzuhalten, doch gedieh dieser Markt - trotz mehrfacher Versuche - nicht. Im Laufe der Jahrhunderte hat Blumenfeld wie auch die anderen Städte und Gemeinden zum Teil recht stürmische Jahre erlebt. Im Krieg der schwäbischen Städte gegen den räuberischen Hegauadel in den Jahren 1441/42 versuchte das Städteheer vergeblich, Blumenfeld einzunehmen hingegen wurde Tengen-Hinterburg in Brand geschossen und erobert. Auch die umliegenden Ortschaften hatten damals schwer unter der Last des Krieges zu leiden.
Im Schweizer- oder Schwabenkrieg 1499 wurde Blumenfeld nach kurzer Belagerung von den Schweizern eingenommen, geplündert und verbrannt. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Stadt mehrere Überfälle, Einnahmen und Plünderungen, doch blieb sie damals anscheinend vor größeren Zerstörungen verschont.
Auf den Fundamenten der 1499 durch die Schweizer zerstörten Burg errichteten zwischen 1500 und 1515 die Deutschherren der Mainau einen Neubau, es handelt sich dabei um den älteren Teil des Schlosses. 1578-1582 erfolgte die Erweiterung des Schlosses in Richtung Stadt. Bis 1805 war dieses Gebäude Amtshaus der Amtmänner des Deutschen Ordens, von 1806 bis 1857 badisches Bezirksamt und danach noch bis 1864 Amtsgericht. Anschließend wurde im Schloß die Erzbischöfliche Erziehungsanstalt St. Joseph für arme Kinder untergebracht, die dann 1874 infolge des Kulturkampfes aufgehoben und nach Riegel bei Freiburg verlegt wurde. Das Schloß war dann von 1874 bis 1876 unbewohnt. Anläßlich eines im Jahr 1876 in der Nähe abgehaltenen Manövers war das Schloß einige Wochen Feldlazarett. Im gleichen Jahr wurde es dann von zwölf Verbandsgemeinden des ehemaligen Amts Blu menfeld um 12 000 Mark erworben und in ein Armen- und Kranken-haus umgewandelt. Es diente dann als Altersheim bis zum Jahr 1973. In einer einmaligen Leistung von Bürgern aus den Verbandsgemeinden wurde danach das Schloß mit einer Freiwilligskeitsaktion das Schloß in den Jahren 1976 bis einschließlich 1978 vom Zerfall bewahrt. 1980 wurde nun vom Zweckverband mit einem Neubau begonnen, der die um die Jahrhundertwende errichteten Anbauten an das Schloß (Küche, Vorratsräume usw.) ersetzte.
Bevor das Rathaus 1908 außerhalb der Stadtmauern erbaut wurde, befanden sich die Amtszimmer in gemieteten Räumen des Kaplaneihauses, eines 1750 errichteten, zweigeschossigen, nahezu quadratischen Gebäudes mit Walmdach und rundbogigem Tor. Der Rathausneubau von 1908 beherbergte auch die Schule bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1966.
In den letzten Jahren wurde die Ortskanalisation ergänzt. Neubaugebiete wurden am Ortsausgang in Richtung Watterdingen erschlossen.

 Büßlingen

In der ersten Urkunde aus dem Jahr 830 wurde Büßlingen als "Pusilinga" bezeichnet. Dieser Name ist vom Personennamen"Pusilo" abgeleitet, dem Sippenoberhaupt oder Ortskern der hier siedelnden Alemannen.
Der römische Gutshof in Büßlingen
Im Jahr 15 v. Chr. eroberten die beiden Adoptivsöhne Drusus und Tiberius des römischen Kaisers Augustus in zwei parallel laufenden Feldzügen gegen keltische Alpenvölker auch die heutige Schweiz. In den darauffolgenden 50 Jahren wurde der römische Herrschaftsbereich in unserem Raum bis auf die Schwäbische Alb und an den Neckar ausgedehnt. Bis zur Mitte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts blieb der südwestdeutsche Raum in römischer Hand.
Die Versorgung der Zivilbevölkerung und des römischen Heeres mit landwirtschaftlichen Produkten wurde durch Gutshöfe (villae rusticae) gesichert. Sie wurden sowohl von verdienten Kriegsveteranen des römischen Heeres als auch von Einheimischen bewirtschaftet. Die Größe eines Gutshofes betrug maximal (selten) etwa 100 ha, in der Regel waren die Güter kleiner. Flächenmäßig gesehen ist der Büßlinger Gutshof mit insgesamt neun Gebäuden der zweitgrößte römische Gutshof in Baden-Württemberg und Bayern. Neben dem Herrenhaus wurden ein Tempel, ein Handwerkerhaus sowie mehrere Wirtschaftsgebäude freigelegt. Die Renovierung dieser Gebäude und die Erschließung mit Wegen wurde 1982 abgeschlossen.
In den letzten Jahren hat sich Büßlingen zu einer schönen, gepflegten Wohngemeinde entwickelt. Mit großem finanziellem Aufwand mußte die damals selbständige Gemeinde den Ausbau der Ortsdurchfahrt mit Kanalisation, Wasserleitung, Gehwegen und Straßenbeleuchtung bewältigen. 1978 konnte ein neuer Sportplatz am Ortsausgang in Richtung Beuren fertiggestellt werden. Die Körbeltalhalle (Mehrzweckhalle) konnte nach neunmonatiger Bauzeit im Dezember 1983 eingeweiht werden. Ein neues Feuerwehrgerätehaus mit Bürgersaal steht den Vereinen seit Frühjahr 1990 zur Verfügung.
Der Kindergarten wurde 1993 von einer eingruppigen Einrichtung auf zwei Gruppenräume erweitert.

 Talheim

Talheim liegt eingebettet unterhalb des Worberges in einem engen Seitental in der Nähe der Stadt Tengen. Die erste urkundliche Erwähnung findet man bereits im Jahre 830. Die Ortschaft hatte damals die Bezeichnung"Talun". Im Laufe der Geschichte wechselte die Zugehörigkeit der Ortschaft zu verschiedenen Adelsfamilien. Ab 1488 gehörte Talheim zur Deutschordenskommende Mainau (Herrschaft Blumenfeld).
Die Gemarkung von Talheim umfaßt 277 ha. In den letzten Jahren wurden die Gemeindegebäude in Talheim außen renoviert, das Rat- und Schulhaus als Gemeindehaus im Innern umgebaut, verschiedene Feldwegbauten wurden durchgeführt. Bereits drei Mal konnte die Einwohnerschaft von Talheim ein Treffen von verschiedenen Talheim-Gemeinden abhalten.

 Uttenhofen

Uttenhofen wird zum ersten Mal 1195 urkundlich erwähnt. Eingebettet im Tal des Lauterbaches sind die Häuser an den Hängen des Schönebühl und des Worberg-Höhenrückens errichtet.
Die Gemeinde hat bereits vor der Durchführung der Flurbereinigung wie auch nachher das Feldwegenetz mit großem finanziellem Aufwand ausgebaut. Am 11. August 1962 konnte das neue Schulhaus an der Tannenhalde eingeweiht werden. Das Schulwesen hat in Uttenhofen eine sehr wechselvolle Entwicklung hinter sich. Vor dem Jahre 1832 hat der Schulunterricht im Saal des Wirtshauses stattgefunden. Erst im Jahre 1832 konnte in Uttenhofen ein Schulhaus mit Scheune und Stall gebaut werden. Es bestand ein Schulfonds mit Garten und anderen Grundstücken. Der Lehrer war also auch noch Landwirt.
Als vom Lehrer die Landwirtschaft aufgegeben wurde, standen Scheune und Stallung leer. Im Jahre 1902 hat sich der Gemeinderat entschlossen, in den Stall und in die Scheune einen Raum für das Rathaus zu bauen. 1958 erfolgte dann der Umzug in das neue Rathaus, das gegenüber der Kapelle gebaut wurde.
Im Zuge des Neubaues der Landesstraße Tengen-Nordhalden wurde auch gleichzeitig die Ortsdurchfahrt in Uttenhofen neu ausgebaut. Vom Landkreis wird ein verkehrsgerechter Ausbau der Straße zwischen Uttenhofen und Wiechs am Randen durchgeführt.
Das neugebaute Schulhaus wurde 1982 verkauft. Das Rathaus wurde erweitert zu einem Bürgerhaus mit Feuerwehrgerätehaus (1983). Der am Rathaus angebaute und seit vielen Jahren leerstehende Farrenstall wurde abgebrochen; ein Nachbargrundstück konnte für die Erweiterung erworben werden.

 Watterdingen

Der Ort selbst ist schon sehr alt, jedoch liegen aus frühesten Zeiten keine Aufzeichnungen vor. Es dürfte sich auch hier um eine der im Hegau so zahlreichen alemannischen Siedlungen handeln, die sich durch die Namensendung "ingen" auszeichnen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 965, wonach Graf Chuno von Öhningen das Dorf Watterdingen mit noch anderen Besitzungen dem von ihm gestifteten Kloster Öhningen geschenkt hatte. 1392 kam Watterdingen in den Besitz der Herren von Klingenberg. Diese verpfändeteten 1463 die Herrschaft Blumenfeld, zu der auch Watterdingen gehörte, an die Herren von Bodman. Watterdingen blieb dann von 1488 an bei der Deutschen Ordenskommende Mainau und kam danach 1806 zu Baden.
Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche und einer Pfarrei geht auf das Jahr 1275 zurück. Die heutige Kirche wurde 1539 erbaut. Diese Jahreszahl findet sich am Eingang zur Sakristei, der früher der Eingang zum Turm war. Diese Kirche soll aus eigenen Mitteln der Einwohner erbaut worden sein. In der Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Renovierung im Barockstil, gleichzeitig wurde ein neuer Chor und Turm erstellt. Die Kirche erhielt vor rund 200 Jahren ihre heutige Gestalt. 1922 wurde sie durch einen Anbau vergrößert. Eine komplette Außenrenovierung wurde 1978 und 1995 durchgeführt. Es wird vermutet, daß die vor 1539 erbaute Kirche in dem untergegangenen Weiler Kilchstetten (Kirchstetten) stand.
In den letzten Jahren wurden in Watterdingen verschiedene kommunale Einrichtungen neu gebaut. Neben der Fest- und Sporthalle wurde 1975 mit der Errichtung eines neuen Sportplatzes begonnen.
Der Ausbau der Ortsdurchfahrt, der 1976 begonnen wurde, brachte eine erhebliche finanzielle Belastunq mit sich. Neben demBau von beidseitigen Gehwegen wurden die Ortskanalisation ergänzt, die Wasserleitungen neu verlegt sowie eine Straßenbeleuchtung errichtet. 1983 wurde das Neubaugebiet Glöcker erschlossen. Die Mehrzweckhalle wurde in mehreren Abschnitten innen und außen renoviert. 1988 konnte nach einem Umbau des bestehenden Farrenstalles dort ein zweigruppiger Kindergarten eingeweiht werden.

 Weil

Erste urkundliche Erwähnung von Weil = 1167. Weil gehörte zum Gebiet der Deutschordenskommende Mainau, es zählte zur Herrschaft Blumenfeld und kam 1806 an Baden.
Die Gemeinde wurde dann von 1807 bis 1857 dem Amt Blumenfeld unterstellt, anschließend wurde Weil dem Amt Engen zugewiesen. Das neue Rathaus neben dem Farrenstall konnte am 25. Februar 1967 seiner Bestimmung übergeben werden. Die Ortskanalisation wie auch die Wasserversorgung wurden vor rund 25 Jahren errichtet.
1979 wurde die neuerrichtete Kreisstraße zwischen Blumenfeld und Weil dem Verkehr übergeben.
1995 konnte nach dem Abbruch des Farrenstalls das an gleicher Stelle mit dem Rathaus verbundene Bürgerhaus eingeweiht werden. Ein Jahr zuvor wurde die Ortskanalisation neu verlegt, sämtliche Ortsstraßen einschließlich der Kreisstraße (Ortsdurchfahrt) wurden ausgebaut.

 Wiechs arn Randen

In einer Urkunde von 830 wird der Ort erstmals erwähnt. Der Ortsteil Kirchstetten war viele Jahrhunderte lang der kirchliche Mittelpunkt für die umliegenden Gemeinden. Die heutige Friedhofskapelle ist der Chor der 1924 abgebrannten Pfarrkirche St. Verena. Daneben steht das ehemalige Pfarrhaus. Dieses Gebäude bildet mit der Breitseite den Abschluß eines Hofes, rechts davon eine gute, neuausgebaute Fachwerkscheune.
Der besondere Charakter von Wiechs a. R. drückt sich durch die geographische Lage aus. Die Gemarkungsgrenzen sind gleichzeitig Staatsgrenzen hin zur Schweiz. Nur eine Kreisstraße bildet die Verbindung zu Deutschland.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Kanalisation errichtet sowie ein Baugebiet erschlossen. Das Rathaus mit zwei Schulsälen sowie der Feuerwehrgeräteraum wurden aus eigener Kraft errichtet. Durch die Schulreform müssen nun die Kinder die Grund- und Hauptschule in Tengen besuchen. Die Gemeinde hat deshalb 1974 die beiden Schulräume zu einem Gemeindesaal umgebaut.
Einen großen Aufschwung an Arbeitsplätzen brachte der Neubau der Firma Stihl, Motorsägenfabrik, mit sich. Das neue Zweigwerk wurde 1976 fertiggestellt und 1984 erweitert.
In Wiechs a. R. wurde das Baugebiet"Oberwiechs" erschlossen.
1996/1997 wurde die Ortskanalisation in der Haupt- und Schlauchstraße sowie der Schmiedgasse erneuert (1,5 km Kanäle). Die Ortsdurchfahrt (Kreisstraße) wurde anschließend ausgebaut (einseitiger Gehweg, Straßenbeleuchtung), ebenfalls die Schmiedgasse und im Juli 1997 dem Verkehr freigegeben.